Facebook: Sale vs Kommunikation – Ist Facebook ein Verkaufskanal?

Die Debatte, ob Facebook als Saleskanal genutzt werden sollte, ist seit einiger Zeit in vollem Gange – zumindest bei uns im Agenturumfeld. Ich denke, das gilt aber auch für den gesamten e-Commerce Bereich. In regelmäßigen Abständen fragen unsere Kunden mehr oder minder verunsichert, ob sie nicht einen dicken (Umsatz-) Zug verpassen, wenn sie ihre Produkte zusätzlich zum eigenen Webshop über ihre Facebook Fanpage verkaufen. Selbstverständlich wird dieses Thema auch von Facebook gepusht – nicht ganz uneigennützig, wie man sich denken kann.

Ohne Frage bietet Facebook allein aufgrund seiner Nutzerzahlen ein enormes Potential. Wie aber sollte ein Unternehmen auf Facebook agieren, um dieses Potential optimal für sich zu nutzen? Diese Debatte spielt sich in erster Linie zwischen zwei Polen ab: Schlichtes Branding über die eigene Facebookseite, dann und wann ein Gewinnspiel und dezentes Verlinken in den eigenen Online-Shop ist der eine. Der andere Pol ist die Facebookseite mit einem voll integrierten Online-Shop.

Die Argumente der Befürworter: Facebook ist groß, Facebookuser verbringen viel Zeit im Netzwerk, Viralität ist in Facebook so nahe liegend. Einverstanden! Ich bin mir sicher, dass mir die „Facebook-Shop-Verfechter“ auch Studien vorlegen können, die zeigen, dass der User in Facebook Online-Shops mehr Geld ausgibt als in herkömmlichen Online Shops. Vielleicht kommt noch dazu, dass die Facebook-Online-Shopper loyaler sind. Immer her damit!

Ich bleibe trotzdem kritisch. Bestimmt geben Leute, die gerade feiern, leicht angetrunken und gut drauf sind, in diesem Moment auch mehr Geld für Mode aus. Aber gehen Modelabels nun in die Kneipen? Zugegeben, der Vergleich hinkt ein bisschen… ((-;

Jochen Krisch schrieb in seinem Blog www.excitingcommerce.de am 16.02.2011 unter dem Titel: Wie banal kann E-Commerce in Facebook werden? „…und eine ähnliche Banalisierung grassiert gerade im Social Shopping Bereich, wo die einst ambitionierten Facebook-Apps inzwischen banalen Facebook-Shops weichen müssen, mit denen sich derzeit so mancher Händler in Facebook lächerlich macht selbstverwirklicht“.

Abgesehen davon, dass Facebook die Möglichkeit eines individuellen Shops stark einschränkt, da das Facebook-look-and-feel nicht durch individuelle Kundendesigns durchbrochen werden darf, kann ich mir einfach nicht vorstellen (und will es auch gar nicht), dass die Facebook Fanpage eines Unternehmens lediglich ein Doppelgänger (oder böse gesagt: ein billiger Abklatsch) des Online-Shops sein soll.
Warum? Hier sind eigentlich Soziologen und Philosophen gefragt. Ganz individuell und ein bisschen naiv stelle ich mir die Frage, ob ich in einer Gesellschaft leben will, in der es nur noch und überall um Kaufen geht? Weshalb den wechselseitigen Austausch unter gleichwertigen Kommunikationspartnern auf “neutralem” Boden korrumpieren?

Facebook ist genial – als Kommunikationskanal.
Trotzdem denke ich, dass man Facebook auch unter Salesaspekten betrachten sollte. Aber eben nicht so plump als einen weiteren Ort, an dem „Sales“ direkt generieren werden können, sondern eben ein bisschen smarter, ein bisschen kreativer – so, wie ein guter Gesprächspartner sein sollte. Auf Interaktion und Kommunikation sollte das Hauptaugenmerk liegen. Das ist das, was Facebook-User mit wachsender Begeisterung tun. Warum sollten Unternehmen also nicht Facebook als einen unkomplizierten, erweiterten Kontakt-Button nutzen? Fans wollen mit “ihrer” Marke kommunizieren, sie wünschen sich das. Gerne lassen sie sich etwas Besonderes mitteilen und auch ein wirkliches Angebot interessiert sie! Allein dafür braucht jedoch niemand einen Shop auf Facebook. Der Sale ist ja nur einen Klick entfernt…

Ergo: Seien Sie ein guter Gesprächspartner!